9. Sinfoniekonzert "Zwischen Erde und Ewigkeit"

Missy Mazzoli
Sinfonia (for Orbiting Spheres)

Anton Bruckner
Messe in d-Moll für Soli, Chor und Orchester WAB 26

Sopran … Dorin Rahardja
Alt … Karina Repova
Tenor … Yoonki Baek
Bass … Derrick Ballard
Chöre am Hohen Dom zu Mainz
Dirigent … Gabriel Venzago

Als eine „Musik in Form eines Sonnensystems, eine Sammlung von Rokokoschleifen, die sich in einer immer größeren Umlaufbahn umeinander winden“ beschreibt die US-amerikanische Komponistin Missy Mazzoli ihre Sinfonia (for Orbiting Spheres). Der Titel Sinfonia ist dabei nicht nur eine Reminiszenz an die gleichnamige barocke Form, sie stellt auch den Bezug zur alten italienischen Bezeichnung für die Drehleier her, die sich durch einen durchgehenden Bordun-Ton auszeichnet, über dem mit Hilfe einer Klaviatur Melodien gestaltet werden können. Das 2014 entstandene Orchesterwerk ist in den Worten der Komponistin „ein Stück, das brodelt und brodelt, sich dem Publikum annähert, nur um im nächsten Moment blitzschnell wieder zu verschwinden und dabei die Ensemble-Klänge in eine improvisierte Drehleier zu verwandeln, die ungestüm ins All geschleudert wird“.

In höchste himmlische Sphären ist auch Anton Bruckners Messe in d-Moll gerichtet, die dem klassischen Ordinarium folgend zu Ehren Gottes im Himmel und für den Frieden der Menschen auf Erden musiziert wird. Mit dieser Messe für Soli, gemischten Chor, Orchester und Orgel wagte sich Bruckner zum ersten Mal in größere kirchenmusikalische Dimensionen vor. Er schrieb sie 1864 unter dem Eindruck einer Aufführung von Wagners Tannhäuser. Tatsächlich hat sich dieser Einfluss in der Rolle des Orchesters niedergeschlagen, das die musikalische Ausgestaltung des Textes unterstützt und seine Aussage intensiviert. Mit einer ebenfalls von Wagner beeinflussten Harmonik taucht der religiöse Bruckner tief in den Glaubenshintergrund des Messtextes ein und deutet ihn detailreich in Musik aus. Er geht dabei so weit, einzelne Textbestandteile herauszugreifen, zu wiederholen oder den Duktus der Musik zu verändern, um die Zuhörenden auf den Inhalt aufmerksam zu machen, der sonst oft in der Formelhaftigkeit der allzu bekannten Sätze verloren geht.
 „Die Musik hat mich so gefesselt, dass ich während ihres Erklingens nicht beten konnte!“, soll der Bischof Franz Joseph Rudigier nach der Uraufführung der d-Moll-Messe im Linzer Dom ausgerufen haben. Auch das restliche Publikum war begeistert und die Kritik feierte das Werk als „das Ausgezeichnetste, was seit langem in diesem Fache geleistet wurde“. Und Bischof Rudigier gab in seiner Begeisterung gleich eine weitere Messe bei Bruckner in Auftrag.

© Andreas Etter

Dorin Rahardja · Sopran

Dorin Rahardja absolvierte ihr Studium an der Folkwang Universität der Künste Essen mit Auszeichnung und erhielt prägende Impulse u. a durch Meisterkurse bei Olaf Bär und Cheryl Studer. Nach Engagements am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, wo sie sich ein breites Repertoire von Mozart bis Puccini erarbeitete, gehört sie seit 2015 dem Ensemble des Staatstheater Mainz an. Hier überzeugte sie in Partien wie Musetta, Susanna, Antonia, Pamina, Liù, Julietta in Die tote Stadt und der Titelrolle in Das schlaue Füchslein. In Francesco Cavallis Veremonda, einer Koproduktion mit den Schwetzinger Festspielen, übernahm sie die Titelpartie. Auch im Konzertbereich ist Dorin Rahardja präsent. Ihre klare, lyrische Stimme und ihre darstellerische Vielseitigkeit machen sie zu einer gefragten Interpretin ihres Fachs.

© Gabriel Rollinson

Derrick Ballard · Bassbariton

Der US-amerikanische Bassbariton Derrick Ballard erhielt seine Ausbildung an der University of Denver sowie in renommierten Opernprogrammen in den USA. Nach über fünfzig Rollen in seiner Heimat führte ihn sein Weg nach Europa, wo er u. a. an der Staatsoper Unter den Linden sowie in festen Engagements in Kassel, Oldenburg und München wirkte. Sein Repertoire umfasst zentrale Partien seines Fachs von Mozart bis Wagner sowie zeitgenössische Werke. Als gefragter Konzertsänger trat er mit bedeutenden Orchestern wie dem Gewandhausorchester Leipzig auf. Seit 2014/15 ist er Ensemblemitglied am Staatstheater Mainz, wo er in zahlreichen Rollen begeisterte, darunter die Titelpartien in Mathis der Maler (Hindemith), Le nozze di Figaro, Der fliegende Holländer, Saul, Boris Godunow, Pimpinone (Telemann), Falstaff (Verdi) und dem Musical Sweeney Todd.

© Vasilia Malteza

Karina Repova · Mezzosopranistin

Karina Repova studierte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ und der Universität der Künste Berlin. Früh ausgezeichnet bei internationalen Wettbewerben, führten erste Engagements sie u. a. zu den Bayreuther Festspielen, Rossini in Wildbad und an die Staatsoper Hamburg. Nach Stationen im Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein und als Ensemblemitglied am Theater Magdeburg ist sie seit 2022 am Staatstheater Mainz engagiert. Seit ihrem Hausdebüt als Piacere in Händels Il trionfo del Tempo e del Desinganno überzeugte sie in einem breiten Repertoire von Barock bis Moderne, u. a. als Cenerentola, Dorabella, Hänsel, Carmen, Idamante und Lisa in Die Passagierin von Mieczysław Weinberg.
Auch als Konzertsängerin ist sie inrenommierten Häusern präsent und verbindet stilistische Vielfalt mit expressiver Bühnenpräsenz.

© Andreas Etter

Yoonki Baek · Tenor

Der Tenor Yoonki Baek studierte Lied und Operngesang an der Hanyang Universität seiner Heimatstadt Seoul sowie in Hamburg und besuchte internationale Meisterkurse in Tokyo und Bologna. Engagements führten ihn seit 2006 u. a. an die Theater in Osnabrück, Kiel und Lübeck, wo er sich ein umfangreiches Repertoire erarbeitete – von Mozart-Partien bis zu Rollen wie Don José, Cavaradossi, Pinkerton, Alfredo, Germont, Lenski und der Titelpartie in Faust. Im Konzertbereich ist er mit Werken wie Verdis Requiem und Beethovens Missa Solemnis präsent. Am Staatstheater Mainz sang Yoonki Baek im Peter Cornelius-Jubiläumsjahr 2024 die Partie des Odin in Cornelius’ Oper Gunlöd und war hier zuletzt u. a. als Calaf (Turandot), italienischer Sänger (Der Rosenkavalier) sowie als Soldat (Der Kaiser von Atlantis) und Dr. Richardson (Breaking the Waves) zu erleben.