4. Sinfoniekonzert "Antihelden"

Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73

Robert Schumann
Manfred. Dramatisches Gedicht in drei Abteilungen op. 115

Sprecher … Udo Wachtveitl
Sopran … Maren Schwier
Alt … Verena Tönjes
Tenor … Mark Watson Williams
Bass … Stephan Bootz
Dirigent ... Gabriel Venzago
Philharmonisches Staatsorchester Mainz

Nach dem überwältigenden Erfolg seiner ersten Sinfonie befand sich Johannes Brahms 1877 in einer relativ ruhigen Lebensphase. Er konnte endlich frei komponieren, ohne den drohenden Schatten des großen Vorbilds Beethoven im Nacken. So zog es den Komponisten im Sommer in den idyllischen Ort Pörtschach am Wörthersee in Österreich, einen Ort von atemberaubender Naturschönheit. Die friedvolle Umgebung prägte die Stimmung der Sinfonie maßgeblich: Die Sinfonie Nr. 2 in D-Dur gilt als die unbeschwerteste seiner insgesamt vier Sinfonien. In nur vier Monaten schrieb er ein Werk mit pastoraler Grundstimmung, lyrischer Wärme und tiefgründiger Raffinesse. Brahms berief sich dabei in den vier Sätzen auf die traditionellen klassischen Formen, verlieh ihnen aber seinen unverwechselbaren Stil, der sich durch komplexe Rhythmen, reiche Harmonien und eine kunstvolle thematische Entwicklung auszeichnet. In der 2. Sinfonie demonstriert Brahms seine Meisterschaft in der Orchestrierung, indem er das volle Potenzial des Orchesters ausschöpft, um ein Werk von großer Klangfülle und vollkommener Ausgewogenheit zu schaffen.

Die innige, durch Brahms’ Beziehung zu Clara Schumann durchaus verschlungene Verbundenheit zwischen Brahms und Robert Schumann ist legendär. Ihre Beziehung zählt zu den bedeutendsten Künstlerfreundschaften der Musikgeschichte – kein Wunder also, dass sie in diesem 4. Sinfoniekonzert vereint erklingen. Robert Schumanns dramatische Komposition Manfred nach Lord Byrons gleichnamigem Gedicht entführt in eine düstere Welt zwischen Schuld, Einsamkeit und übernatürlichen Mächten. Die Musik zeichnet eindrucksvoll das Seelenleben des rastlosen Helden nach, der von inneren Dämonen getrieben wird und Erlösung sucht. Ausdrucksstark sind Orchesterfarben und Motive zu eindringlichen Klangbildern verwoben und verleihen dem Werk eine außergewöhnliche Intensität. Besonders die bekannte Ouvertüre steht exemplarisch für Schumanns Schaffen und fasziniert mit ihrer emotionalen Wucht. Manfred ist ein selten aufgeführtes Meisterwerk der Romantik, das Literatur und Musik auf einzigartige Weise verbindet.

Als Sprecher freuen wir uns auf den Ex-Tatort-Kommissar und renommierten Schauspieler Udo Wachtveitl.

© Melina Rupp

Maren Schwier · Sopranistin

Die Sopranistin Maren Schwier, Absolventin der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (Master Operngesang 2017), zählt zu den vielseitigsten Stimmen ihrer Generation. Seit 2016/17 ist sie am Staatstheater Mainz engagiert, zunächst im Jungen Ensemble, seit 2018/19 als festes Ensemblemitglied. Ihr Repertoire reicht von klassischer Oper bis zur zeitgenössischen Musik, mit besonderem Fokus auf Uraufführungen und innovativen Konzertformaten. Gastengagements führten sie zu renommierten Festivals und Häusern im In- und Ausland. Für ihre Darstellung der Madeline in The Fall of the House of Usher wurde sie 2025 von der „Opernwelt“ als Sängerin des Jahres nominiert. Neben ihrer Operntätigkeit entwickelt sie eigene Performances und arbeitet eng mit Komponist*innen und Ensembles der Neuen Musik zusammen.

© Thomas Pirot

Verena Tönjes · Mezzosopranistin

Die Mezzosopranistin Verena Tönjes, geboren in Nordenham, studierte Operngesang an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf sowie an der Universität der Künste Berlin. Seit 2020/21 ist sie Ensemblemitglied am Staatstheater Mainz, wo sie ein breites Repertoire von Mozart bis Sondheim pflegt. Zu ihren jüngsten Rollendebüts zählen Octavian (Der Rosenkavalier) und die Titelpartien in Carmen und La Cenerentola. Gastengagements führten sie u. a. an das Staatstheater Wiesbaden, das Oldenburgische Staatstheater und das Theater Bremen sowie zu Konzerten in die Berliner und Kölner Philharmonie. Einen besonderen Schwerpunkt bildet ihre Liedtätigkeit mit innovativen Programmen und CD-Veröffentlichungen. Zahlreiche Wettbewerbserfolge und Stipendien unterstreichen ihre künstlerische Vielseitigkeit.

© Andreas Etter

Mark Watson Williams · Tenor

Mark Watson Williams studierte an der University of Virginia und am New England Conservatory. Bereits während seiner Ausbildung sang er u. a. beim Boston Opera Collaborative und dem Boston Early Music Festival. Sein Repertoire reicht vom Barock bis zur Moderne und Musical, mit Schwerpunkten im Spieltenor- und Leggiero-Fach. Zu seinen Partien zählen Don Ramiro (La Cenerentola), Don Ottavio (Don Giovanni) und Brighella/Tanzmeister (Ariadne auf Naxos). Engagements führten ihn von 2017 bis 2020 ans Landestheater Niederbayern, anschließend bis 2022 ans Theater Münster. Seit 2022/23 ist er Ensemblemitglied am Staatstheater Mainz. Dort war er u. a. als Tobias (Sweeney Todd), Frederic (Die Piraten von Penzance), Cassio (Otello) und Paris (Die schöne Helena) zu erleben. Aktuell steht er u. a. als Tamino in Die Zauberflöte und als Fenton in Falstaff in Mainz auf der Bühne.

© Andreas Etter

Stephan Bootz · Bass

Der in Mainz geborene Bass Stephan Bootz studierte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin u. a. bei Wolfgang Hellmich und Thomas Quasthoff. Seine Karriere begann im Internationalen Opernstudio Zürich, gefolgt von Engagements in Gießen, Darmstadt und seit vielen Jahren am Staatstheater Mainz. Neben zentralen Partien seines Fachs – etwa Figaro, Großinquisitor oder Pimen – überzeugt er auch im zeitgenössischen Repertoire, wie etwa als Richter in der gefeierten deutschen Erstaufführung von Pascal Dusapins Perelà. Gastengagements führten ihn u. a. an die Staatsopern Stuttgart und Hamburg sowie an die Oper Frankfurt. Große Beachtung fand er mit Wagner-Partien, u. a. als Wotan, Gurnemanz und König Marke.
Auch als Konzertsänger profilierte sich der vielseitige Künstler, so z. B. in Mendelssohn Bartholdys Elias.

© Joel Heyd

Udo Wachtveitl · Sprecher

Der gebürtige Münchner, Jahrgang 1958, hatte sein erstes Bühnenengagement mit 19 Jahren an der Schauburg München. 2 Jahre später stand für den Fernsehfilm „Die Weber“ (1979, Regie: Fritz Umgelter) erstmals vor der Kamera. Es folgten Filmrollen in einer Vielzahl hochkarätiger Produktionen, darunter „Bretter, die die Welt bedeuten“ (1979, Regie: Tom Toelle), „Kampf der Tiger“ (1986, Regie: Dieter Wedel), „Die Hexe von Köln“ (1988, Regie: Armin Müller-Stahl), „Vera Brühne“ (2001, Regie: Hark Bohm) sowie „Der blinde Fleck“ und „Meister des Todes“ (2013 - 2015, Regie: Daniel Harrich). Daneben gastierte er an renommierten Spielstätten wie dem Thalia Theater, dem Landestheater Tirol in Innsbruck. dem Münchner Volkstheater und dem Théâtre National du Luxembourg. Sein Kinodebüt gab Wachtveitl in der französischen Produktion „Der Glückspilz“ (1988, Regie: Claude Lelouch).

Ab 1991 ermittelte Wachtveitl im Münchner „Tatort“ und bildete mit seinem Kollegen Miroslav Nemec bis 2026 und mit insgesamt 100 Fällen das dienstälteste Ermittler-Team. Für seine Darstellung des Kriminalhauptkommissars Franz Leitmayr hat er u.a. den Goldenen Löwen, den Bayerischen Fernsehpreis sowie den Grimme-Preis erhalten; er ist Träger des Bayerischen Verdienstordens und der Medaille München leuchtet. 1998 zeichnet der Schauspieler erstmals verantwortlich für Drehbuch und Regie der SWR-Produktion „Silberdisteln“ mit Harald Juhnke, Rosemarie Fendel und Dieter Hildebrandt in den Hauptrollen. 2000 war er für die Filmkomödie „Krieger und Liebhaber“ erneut als Regisseur tätig. Neben seinen zahlreichen Bühnen-, Film- und Fernsehauftritten arbeitet Wachtveitl als künstlerischer Sprecher, nimmt Hörbücher/-spiele auf und tourt mit wechselnden Lese- und Musikprogrammen im deutschsprachigen Raum.

Der Magister der Philosophie hat für die Architekturfachzeitschrift „Baumeister“ über zwei Jahre Kolumnen beigetragen. 2007 betätigte er sich als Stadtdenker in Flensburg. Außerdem ist er Mitherausgeber des Buchs „Tatort. Die Architektur, der Film und der Tod.“ (2013).