5. Mainzer Komponistenportrait: Lera Auerbach 8. Sinfoniekonzert Lera Auerbach kann aus gesundheitlichen Gründen ihr Engagement in Mainz nicht wahrnehmen, weshalb das Programm kurzfristig modifiziert wurde!

Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie (Nr. 4) D-Dur KV 19

Lera Auerbach

Dialogue with Time

Sofia Gubaidulina

Fachwerk für Bajan, Schlagzeug und Streicher

Lera Auerbach

Post Silentium (2012)

Wolfgang Amadeus Mozart

Sinfonie Nr. 40 g-Moll KV 550

Maciej Frackiewicz · Bajan (Akkordeon)
Hermann Bäumer · Dirigent

Die in New York lebende Russin Lera Auerbach ist eine Allround-Künstlerin, die nicht nur als Pianistin und Komponistin Erfolge vorzuweisen hat, sondern auch als Dichterin, Schriftstellerin und bildende Künstlerin. Vordergründig scheint ihre Musik traditionellen Einflüssen stark verpflichtet zu sein. Für sie ist es jedoch kein Widerspruch, Tonalität und klassische Formsprache zu nutzen, um neue Wege zu finden. Bei näherem Hinhören eröffnet sich ein ganzer Kosmos ungewohnter Klänge, Farben und Verfahrensweisen, der in vielerlei Hinsicht einen weit entwickelten Personalstil offenbart. Dementsprechend ist ihr erstes Klavierkonzert polystilistisch geprägt, ein Mix der Stile und Genres, Clusterklänge stehen neben Dur und Moll, lyrische Melodien neben lärmender Zirkusmusik, tumultuös Dissonantes neben impressionistischem Schweben. Dass die Komponistin Lera Auerbach selbst am Flügel sitzen wird, ist eine Garantie dafür, dass das Werk in Mainz genauso zu hören sein wird, wie es klingen soll. Das Hörportrait der Künstlerin wird im 8. Sinfoniekonzert durch ihre Komposition Dialogue with time für großes Orchester ergänzt.

Sofia Gubaidulina widmete Fachwerk für Bajan, Schlagzeug und Streicher dem Bayan-Solisten Geir Draugsvoll. Die Komponistin ließ sich für dieses dramatische, geheimnisvolle und faszinierende Werk von ihrer Begeisterung für das architektonische Phänomen der in Holz ausgeführten spezifischen Bauweise inspirieren, die nicht verdeckt, sondern offenlegt. Das Bajan, die typisch russische Variante des chromatischen Knopfakkordeons, gibt dem Fachwerk von Sofia Gubaidulina einen unverwechselbaren Charakter von melancholisch unterschwelliger Poesie, die auch in dem 1991 entstandenen "Silenzio" eine große Rolle spielt.  Gubaidulina studierte Komposition und Klavier am Konservatorium von Kasan (Tartastan/Russland) und führte nach dem Abschluss 1954 ihre Studien in Moskau fort. Ihr Erfolg im Westen wurde vor allem von Gidon Kremer unterstützt, der ihr Violinkonzert Offertorium 1981 uraufführte. Sofia Gubaidulina lebt seit 1992 in Deutschland. Sie ist Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, der Freien Akademie der Künste in Hamburg, der Königlich Schwedischen Musikakademie Stockholm sowie Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters. Im Jahre 1999 wurde sie in den Orden Pour le mérite aufgenommen. Seit dem Jahre 2001 ist sie Ehrenprofessorin des Konservatoriums von Kasan, seit 2005 auch an den Konservatorien von Beijing und Tianjin. 2018 wurde sie in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences berufen, die jährlich die Oscars vergibt.

Auch Wolfgang Amadeus Mozart führte seine eigenen Kompositionen häufig selbst auf. Mit der kurzen Sinfonie D-Dur KV 19 steht ein Frühwerk des neunjährigen Wunderkinds seiner großen Sinfonie g-Moll KV 550 gegenüber, die seit ihrer Entstehung zu den bekanntesten Werken der Klassik zählt. In ihrer Entstehungszeit plagten Mozart große Geldsorgen, in Briefen spricht er von „schwarzen Gedanken“. Aber Düsternis ist trotz alledem nicht der vorherrschende Charakter des Werkes. Bis heute hat Mozarts vorletzte Sinfonie nichts von ihrer Popularität eingebüßt, keine andere Sinfonie liegt in so vielen Aufnahmen vor, und jede Interpretation ist eine Herausforderung, sich diesem Werk wieder neu zu nähern.

Lera Auerbach (Foto: F. Rhinehold-Media)

Lera Auerbach ·

Von Lera Auerbach, die ihre vielseitige Begabung nicht nur als Komponistin, sondern auch als Pianistin, Schriftstellerin und bildende Künstlerin immer wieder unter Beweis stellt, liegt bereits ein umfangreiches OEuvre an Kompositionen aller Gattungen vor. Ihre Musik zeichnet sich sowohl durch die Rückbesinnung auf (insbesondere russische) musikalische Traditionen wie durch Aufgeschlossenheit für Neues aus und kennt keine Schulen, keine Schubladen und keine Grenzen. Sie nehme sich die Freiheit, aus allen Quellen zu schöpfen, die sie liebe, hat sie einmal gesagt.

Geboren 1973 in Tscheljabinsk im Ural, wurde Lera Auerbach früh durch ihre Eltern künstlerisch gefördert. In Ihrer Heimatstadt erhielt sie Unterricht in Klavier, Flöte und Violine und studierte dann am „Tchaikovsky Music College" Klavier bei Boris Michailovich Belitsky sowie Komposition bei Uli Galperine und Anatoly Kirvoshei. Bereits mit sechs Jahren trat sie erstmals als Pianistin auf. Als 12-Jährige komponierte sie ihre erste Oper „Schneeflöckchen – Ein Wintermärchen", die in verschiedenen Städten der ehemaligen Sowjetunion aufgeführt wurde. Als Preisträgerin mehrerer Wettbewerbe wurde sie 1991 zu einer Konzertreise in die USA eingeladen, während der sie spontan entschied, dort im Exil zu bleiben. Damit gehört sie zu den letzten Künstler*innen, die die Sowjetunion kurz vor dem Zusammenbruch des Systems verließen. „Ich war sehr, sehr jung und das erste Mal von meinen Eltern getrennt. Aber ich sah die Möglichkeiten, die der Westen mir bot. Also bin ich gegangen, ohne Englischkenntnisse, ohne Geld, ohne meine Familie, ohne alles."

Lera Auerbach ließ sich in New York nieder und schrieb sich zunächst an der Manhattan School of Music für das Fach Klavier bei Nina Svetlanova ein, bevor sie an die Juilliard School zu Joseph Kalichstein wechselte. Dort studierte sie außerdem Komposition bei Milton Babbit und Robert Beaser und legte schließlich in beiden Fächern die Abschlussprüfungen ab. 2002 ergänzte sie ihre Studien noch mit dem Konzertexamen bei Einar-Steen Nøkleberg an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Als Pianistin tritt sie inzwischen in allen führenden Konzertsälen der Welt auf, u.a. in der Tokyo Opera City, im New Yorker Lincoln Center, im Münchner Herkulessaal, im Konzerthaus Oslo und im Kennedy Center in Washington. Bei ihrem Debüt in der New Yorker Carnegie Hall im Mai 2002 spielte sie mit Gidon Kremer und der Kremerata Baltica ihre Suite für Violine, Klavier und Orchester; seitdem werden ihre Werke dort regelmäßig gegeben.

Der Komponistin Lera Auerbach wurden zahlreiche Preise und Ehrungen zuteil. So erhielt sie den Hindemith- Preis des Schleswig-Holstein Musik Festivals (2005) und war Composer in Residence bei den Festivals von Verbier (Schweiz), Trondheim (Norwegen), Marlboro (USA), Lockenhaus (Österreich), Musikfest Bremen, Pacific Music Festival (Japan) und zuletzt beim Trans-Siberian Art Festival und beim Rheingau Musik Festival (2015) sowie bei verschiedenen Orchestern, u. a. bei der Staatskapelle Dresden, dem Sinfonieorchester von São Paulo (Brasilien), dem Orchestra Ensemble Kanazawa (Japan) und dem New Century Chamber Orchestra (USA).

Lera Auerbachs Erfolge beschränken sich jedoch nicht nur auf ihre musikalischen Aktivitäten. Große Anerkennung erhält sie auch für ihre literarischen Werke, zu denen Bücher mit eigener Lyrik und Prosa sowie zwei Romane gehören. 1996 wurde sie von der Internationalen Puschkin-Gesellschaft zur Schriftstellerin des Jahres gewählt und erhielt den Poesiepreis der „Nowoje Russkoje Slowo". Zudem war das Zeichnen und Skizzieren stets ein Bestandteil von Auerbachs kreativem Leben. Seit 2009 widmet sie sich verstärkt der Malerei und Bildhauerei. Nach mehreren Gemeinschaftsausstellungen fand 2013 ihre erste eigene Ausstellung in Norwegen statt. In ihrer Mehrfachbegabung als Pianistin, Komponistin und nicht zuletzt auch Dichterin und bildende Künstlerin folgt sie einer russischen Künstlertradition, zu deren bedeutendsten Vertretern im 20. Jahrhundert Sergej Rachmaninow, Sergej Prokofjew und Alexander Skrjabin gehörten.

 

Hermann Bäumer (Foto: Felix Broede)

Hermann Bäumer · Dirigent

Hermann Bäumer ist seit der Spielzeit 2011/12 Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz sowie Generalmusikdirektor des Mainzer Staatstheaters. Seine durchdachten und einfallsreichen Programme sowie die Auseinandersetzung mit außergewöhnlichem musikdramatischem Repertoire bescheren ihm großen Zuspruch von Publikum und Fachpresse. Als einstiger Berliner Philharmoniker weiß er um die Raffinessen guter Orchesterarbeit und wird für seine unprätentiöse und der Musik verpflichtenden Art von Orchestern auf der ganzen Welt geschätzt.

Die letzten Spielzeiten führten ihn u. a. zur Sächsischen Staatskapelle Dresden, dem Bayerischen Staatsorchester München, dem Orchester der Komischen Oper Berlin, dem Tokyo Symphony Orchestra, dem hr-Sinfonieorchester, Iceland Symphony orchestra und dem Norrköpping Symphony Orchestra. In der Saison 2018/19 steht Hermann Bäumer am Pult der China National Opera Bejing, der Neuen Philharmonie Westfalen  und zum wiederholten Male des Bundesjugendorchesters. Zudem ist er seit der Spielzeit 2016/17 Conductor in Residence der Hofer Symphoniker. Hermann Bäumer ist ein begnadeter Entdecker und Wiederentdecker für rares Repertoire sowohl im Musiktheater-, als auch im Konzertbereich. Darüber hinaus ist er landesweit besonders geschätzt für die Zusammenarbeit mit Jugendorchestern wie beispielsweise dem LJO Rheinland-Pfalz. Neben zahlreichen Sinfonie-, Jugend- und Sonderkonzerten dirigiert Hermann Bäumer in dieser Spielzeit u. a. auch Loriot / Wagners Der Ring an einem Abend, Prokofjews Die Liebe zu den drei Orangen, die dt. Erstaufführung von Aperghis‘ Avis de Tempête sowie die Wiederaufnahmen von Verdis Don Carlo und Langaards Antikrist. 

Maciej Frąckiewicz, Foto: L. Tomszewski

Maciej Frąckiewicz · Bajan

Vielseitig und charismatisch. Maciej Frąckiewicz gewann zahlreichen Preise und Auszeichnungen, u.a. den Deutschen Musikwettbewerb mit Publikumpreis (2018), den „Paszport Polityki“ (2013) und den 1. Preis beim renommierten Internationalen Akkordeon Wettbewerb „Arrasate Hiria“ in Spanien (2012). Die künstlerische Sensibilität seines Akkordeonspiels lässt den Zuhörer nicht ungerührt. Maciej Frąckiewicz ist ein moderner Musiker, der in seinem Spiel jugendliche Leidenschaft und umfassende Erfahrung zu verbinden versteht. Seine Interpretationen sprühen vor frischen Ideen und zeugen von einem ungezähmten Temperament.
Der polnische Musikkritiker Jacek Hawryluk bekannte nach seinem Debüt begeistert, die Musik von Maciej Frąckiewicz ist „eine Sünde wert“!
Seine vollkommene künstlerische Meisterschaft erlaubt es ihm alte, moderne, leichte und anspruchsvolle Musik mit der gleichen Intensität und großem Feinsinn aufzuführen.
Dorota Szwarcman beschreibt Maciej Frąckiewicz als „eine der interessantesten musikalischen Persönlichkeit der jungen Generation”. Maciej Frąckiewicz gilt inzwischen als einer der wichtigsten Junge Virtuosen seinen Instrumentes.
Seine glänzende Laufbahn ist mehrgleisig. Der Künstler tritt als Solist mit renommierten polnischen Orchestern auf und ist darüber hinaus der Initiator interessanter Kammermusikprojekte. Der Musiker ist unermüdlich damit beschäftigt das Akkordeon populär zu machen und inspiriert dabei viele moderne Komponisten. Bis jetzt wurden für Ihn mehr als 80 neue Werke geschrieben.