3. Sinfoniekonzert

Lili Boulanger

D’un soir triste

Maurice Ravel

Ma mère l’oye. Ballet en cinq tableaux et une apothéose

Alexander Zemlinsky

Lyrische Symphonie op. 18 in sieben Gesängen

nach Gedichten von Rabindranath Tagore für Sopran, Bariton und Orchester

Marlene Mild • Sopran
Brett Carter • Bariton
Peter Hirsch • Dirigent

Eine wichtige Stimme der Musikgeschichte des Fin de Siècle war die französische Komponistin Lili Boulanger, die 1913 als erste Frau überhaupt den begehrten Kompositionspreis Grand Prix de Rome gewann – eine Sensation. Kurz vor ihrem frühen Tod entstand D’un soir triste (Von einem traurigen Abend), eine großangelegte rhapsodische Klage, die mit düsteren Klangfarben von Trauer und Schmerz kündet. Die Bezeichnung „Expressionismus“ wäre für diese Musik weit mehr angebracht als „Impressionismus“, als dessen Vertreterin Lili Boulanger, nicht zuletzt wegen ihrer lebenslangen Verehrung für Claude Debussy, gemeinhin gilt.

Maurice Ravel wollte die Poesie der Kindheit wachrufen, als er 1908 seinen Zyklus Ma mère l’oye (Meine Mutter, die Gans) schrieb. Ihn faszinierte die Welt kindlicher Zauberdinge, für die er eine Musik voll schillernder Klangfarben und Melancholie erfand. Der Titel geht zurück auf die bis heute populäre Märchensammlung von Charles Perrault, der in Frankreich so bekannt ist wie im deutschen Sprachraum die Brüder Grimm. Ursprünglich als Klavierstück komponiert, bearbeitete Ravel den fünfteiligen Zyklus für Orchester und erwei-terte ihn später zu einer Ballettmusik, deren sieben Teile eine große Zauberkraft entwickeln: impressionistisches Klanggemälde und detailverliebte Märchenerzählung zugleich.

Alexander von Zemlinskys Lyrische Symphonie in sieben Gesängen nach Gedichten des indisch-bengalischen Dichters Rabindranath Tagore erzählt abwechselnd aus der Perspektive von Mann und Frau von einer verzehrenden Liebe: zwei Gedichte von der Sehnsucht, zwei Gedichte von der Erfüllung der Liebe, und drei Gedichte von Loslösung, Befreiung und Abschied. Die Sinfonie endet nicht in Resignation, sondern in einem tiefen, indisch-asketisch getönten Seelenfrieden.

Wir bedanken uns bei

Peter Hirsch · Dirigent

 

Peter Hirsch zählt nicht nur zu den profiliertesten Dirigenten Neuer Musik, sondern wandelt auch immer wieder – mit außergewöhnlichen, dramaturgisch ausgefeilten Konzertprogrammen – abseits ausgetretener Pfade. Seine Beschäftigung mit der Moderne (Hirsch dirigierte zahlreiche Uraufführungen) lässt ihn immer auch das Neue im Alten suchen, was u. a. seine letzten Dirigate in Mainz eindrucksvoll belegen. Peter Hirsch arbeitet mit bedeutenden Orchestern und Opernhäusern weltweit und ist regelmäßig Gast großer Festivals. Seine Diskographie umfasst Werke u.a. von Schubert, Brahms, Bruckner, Mahler, Janáček, Schönberg, Berg, Dallapiccola, Nono und Bernd Alois Zimmermann. 

© Andreas Etter

Brett Carter · Bariton

Der aus Australien stammende Bariton Brett Carter studierte Gitarre und Gesang an der Western Australian Academy of Performing Arts. Anschließend gehörte er dem Australian Opera Studio an, wo er sich Partien wie Mozarts Graf Almaviva, Don Giovanni und Brittens Tarquinius aneignete. Nach Stipendien für die National Academy of Music in Melbourne und das Music Festival der University of Cincinnati in Lucca, einem Jahr im Young Artist Programme der Opera Queensland sowie dem Erhalt eines deutsch-australischen Opernstipendiums wurde Brett Carter fest am Hessischen Staatstheater in Wiesbaden verpflichtet.

Zu seinen dortigen Partien zählten Mozarts Papageno, Guglielmo und Masetto, Rossinis Figaro, Donizettis Malatesta, Puccinis Schaunard und Ping, Strauss’ Falke und Harlekin, Kurt Weills Bill (Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny), Monteverdis Ulisse (Il ritorno d’Ulisse in patria) und Ravels Ramiro (L’Heure espagnole). Daneben debütierte Brett Carter 2008/09 an der Staatsoper Stuttgart in der Produktion der Jungen Oper von Mozarts Zaïde als Alazim und 2010/11 in der Neuinszenierung von Pizzettis Murder in the Cathedral an der Oper Frankfurt.

Im Sommer 2012 debütierte er als Graf Almaviva an der Oper Melbourne in Australien. Weitere Höhepunkte der Spielzeit 2013/14 waren unter anderem Leander in Die Liebe zu den drei Orangen und Mercurio in La Calisto am Staatstheater in Wiesbaden.

Mit der Spielzeit 2014/2015 kam er als festes Ensemblemitglied ans Staatstheater Mainz. Hier hat er bisher unter anderem Douphol (La Traviata, Verdi), Figaro (Il barbiere di Siviglia, Rossini), Alloro (Perelà, Dusapin), Prinzessin Sherifa in der Uraufführung König Hamed und Prinzessin Sherifa von Moultaka, Marco (Gianni Schicchi, Puccini), Valentin (Faust, Gounod) sowie den Bariton in Carmina Burana von Orff gesungen. In der Spielzeit 2016/17 war er besetzt als Marcello (La Bohème, Puccini) sowie als Demetrius in Brittens A Midsummer Night’s Dream. 

In der aktuellen Spielzeit ist Brett auf der Opernbühne als Graf Almaviva in Le nozze di Figaro und in Zanaida auf der Bühne zu erleben.

© Jutta Missbach

Marlene Mild · Sopran

Die Sopranistin MARLENE MILD erhielt ihre Gesangsausbildung an der Musikhochschule Köln bei Ks.Reinhard Leisenheimer und Dietger Jacob. Meisterkurse bei Kurt Widmer, Edeltraut Blanke, Barbara Schlick, Uwe Heilmann und Kurt Moll ergänzten ihre sängerische Ausbildung.
Sie war Preisträgerin im Konzertfach beim Bundeswettbewerb Gesang Berlin 1996 und 1997 Stipendiatin der Stiftung Kunst und Kultur des Landes NRW. Konzerte mit Werken von u.a. Bach (Johannespassion), Händel (Der Messias), Mozart (c-moll Messe), Orff ( Carmina Burana) führten sie durch Deutschland in das europäische Ausland nach Frankreich, Spanien und in die Schweiz.
Von 1998 bis 2002 war Marlene Mild Ensemblemitglied der Städtischen Bühnen Osnabrück und wurde 2000/2001 als Künstlerin der Spielzeit ausgezeichnet.
Es folgten fünf Jahre im Ensemble des Staatstheater Nürnberg (2003-2008).
Seit dieser Zeit gehören neben den klassischen Partien wie die Königin der Nacht (Die Zauberflöte),Olympia (Hoffmann´s Erzählungen) oder Rosina (Der Barbier von Sevilla), Werke zeitgenössischer Komponisten wie Aribert Reimann´s Melusine, Morton Feldman´s Neither oder Das schlaue Gretchen von Martin Smolka zu ihrem Repertoire.
Für die besondere Gestaltung der Melusine wurde Marlene Mild mit mehreren Nominierungen zur „Sängerin des Jahres“ in der Fachzeitschrift „Opernwelt“ geehrt.
Konzerte mit den Ensembles Contrechamps, e-mex und Kontraste prädestinieren die Sängerin immer wieder für die zeitgenössische Musik.
Marlene Mild arbeitete mit Dirigenten wie Philippe Auguin, Peter Hirsch, Christoph Prick und Dante Anzolini zusammen. Sie trat in Inszenierungen von Christoph Loy (Zauberflöte), Olivier Tambosi (Orfeo) auf und gestaltete am Düsseldorfer Opernhaus den Sopranpart der Oper„Neither“ von Morton Feldman (Choreographie: Martin Schläpfer). Seit der Spielzeit 2009 gastierte Marlene Mild an der Staatsoper Hannover, dem Nationaltheater Mannheim, den Staatstheatern Mainz, Wiesbaden u Nürnberg und an der Deutschen Oper am Rhein.