Großes Haus
19:00 Uhr - Auftakt im Saal
Das Theater öffnet 75 Minuten vor Konzertbeginn.
Fr 4.09.2026 20:00 Uhr
Sa 5.09.2026 20:00 Uhr
Dmitri Schostakowitsch
Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 Es-Dur op. 107
Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 5 cis-Moll
Das 1. Sinfoniekonzert führt zwei Werke der Konzertliteratur zusammen, die für ihre Komponisten einen Umbruch markierten. Dmitri Schostakowitschs Cellokonzert Nr. 1 entstand 1959 für den berühmten Cellisten Mstislaw Rostropowitsch, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband, und bedeutete gleichzeitig die Befreiung aus einer persönlichen Schaffenskrise wie aus Jahren künstlerischer Lähmung:
Unter Stalin war Schostakowitsch harten Repressionen ausgesetzt, doch es dauerte selbst nach dessen Tod 1953 noch Jahre, bis eine zumindest allmähliche Aufarbeitung der Stalin-Diktatur beginnen konnte. Nach Jahrzehnten hoher persönlicher Gefährdung hatte Schostakowitsch nun – wenigstens vorübergehend – das Gefühl, weitgehend unbehelligt arbeiten zu können. Das erste Cellokonzert durchmisst von knarrenden Tiefen bis zu gleißenden Höhen die ganze Bandbreite des Soloinstruments. Vom marschartigen Eröffnungssatz – in dem in typischer Schostakowitsch-Manier durch rhythmische
Verschiebungen immer wieder das Gefühl entsteht, als würde sich ein drittes Bein ins Marschieren mogeln – über den von einer langen Solo-Kadenz geprägten Binnensatz schlägt das Werk den Bogen zu einem hochvirtuosen Finale.
Gustav Mahlers 5. Sinfonie zeigt sich in einem – in den Worten des Komponisten – „ganz neuen Stil“. Nach seinen vorangegangenen Sinfonien, die die Orchesterbesetzung um die menschliche Stimme erweitert hatten und von einer programmatischen Anlage geprägt waren, führte Mahler sein sinfonisches Schaffen mit der Fünften „back to the roots“: meisterlich den großen Orchesterapparat in allen
Farben bedienend, ohne Erläuterung und dennoch – oder gerade deshalb – in einer sehr eigenen Architektur. Der eröffnende Trauermarsch führt in einen zum Bersten gespannten zweiten Satz, dessen geradezu explosive Innerlichkeit sich in einen bewegenden Choral ergießt, auf den ein jede übliche Dimension sprengendes Scherzo folgt, laut Mahler von „tanzenden Sternen“ durchsetzt. Emotionales Kraftzentrum (und bekanntester Satz) dieser Sinfonie ist das glühende intensive Adagietto, das u. a. in Luchino Viscontis Tod in Venedig-Verfilmung verewigt wurde; den Abschluss bildet ein überraschend
versöhnliches Finale. Mahlers Zeitgenossen fremdelten mit dem kompromisslos intensiven, weit in die Zukunft weisenden Werk – den Seufzer des Komponisten, seine Fünfte sei „ein verfluchtes Werk. Niemand capiert sie“ widerlegt glücklicherweise der bis heute anhaltende Erfolg dieser Sinfonie.
Alexey Stadler · Cello
Alexey Stadler, einer der talentiertesten Cellisten seiner Generation, begann seine Ausbildung in St. Petersburg und schloss sie bei Wolfgang Emanuel Schmidt in Weimar ab. Sein Debüt bei den BBC Proms 2016 sorgte für Aufsehen. Seitdem gastiert er weltweit u. a. beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem San Francisco Symphony Orchestra, dem Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra und dem Royal Philharmonic Orchestra unter renommierten Dirigent*innen wie Anu Tali, Olari Elts oder Marek Janowski. Als begeisterter Kammermusiker ist er gern gesehener Gast bei bedeutenden Festivals, oft an der Seite namhafter Künstler*innen wie Janine Jansen, Christian Tetzlaff, Igor Levit oder dem Szymanowski Quartet. Seit 2023 lehrt er als Professor an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.
Stadler spielt ein Violoncello von David Tecchler.