1. Sinfoniekonzert

Modest Mussorgskij

Vorspiel zu Chowanschtschina (Morgendämmerung an der Moskwa) orchestriert von Dmitri Schostakowitsch

Sergej Prokofjew

Konzert fur Klavier und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 16

Dmitri Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 54

 

Anna Vinnitskaja • Klavier
Hermann Bäumer • Dirigent

Mit einem russischen Programm eröffnen GMD Hermann Bäumer und das Philharmonische Staatsorchester Mainz die neue Konzertsaison 2019/20. Der Abend beginnt mit dem Vorspiel zur Oper Chowanschtschina von Modest Mussorgskij. Die eher unbekannte Oper erzählt von Hochverrat, Eifersucht, Machtspielen und religiösen Spannungen. In der melancholischen Ouvertüre Morgendämmerung an der Moskwa scheint und klingt die Welt noch in Ordnung: „In der aufgehenden Sonne leuchten die Kirchenkuppeln, während es zum Frühgottesdienst läutet“ heißt es in der dazugehörigen Szenenanweisung.

Rotziges Tastenviech, kecker Kuckuck, samtpfotige Löwenkönigin von diamantener Kraft –der Kritikerfantasie scheinen keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, die Kunst von Anna Vinnitskaya zu beschreiben. Und so ist die gebürtig aus Russland stammende Pianistin die optimale Besetzung für den Solo-Part in Sergej Prokofjews waghalsigem zweiten Klavierkonzert, das live aufzuführen nur wenige wagen. Das ungestüme Werk vereint Spätromantisches mit bestürzendem Avantgardismus und besticht durch aberwitzige Virtuosität.

Dmitri Schostakowitschs 6. Sinfonie irritierte bei der Uraufführung 1939 durch ihren Mangel an sinfonischer Konvention: Nur dreisätzig und mit einem sehr ausgedehnten, langsamen 1. Satz wurde sie von Kritikern für einen „Rumpf ohne Kopf“ gehalten, man vermisste ein jubelndes Finale. Und bemängelte den „chizophrenen Charakter“, denn auf das lange Largo zu Beginn folgen zwei kurze, aufreizend-freche Allegro-Satze, die dem traurig-trübsinnigen 1.Satz konträr gegenüberstehen.

 

 

 

Anna Vinnitskaya, Foto: A. Vinnitskaya

Anna Vinnitskaya · Klavier

Der 1. Preis beim Concours Reine Elisabeth in Brüssel 2007 war für Anna Vinnitskaya der Auftakt zu einer internationalen Karriere. Publikum und Kritik schützen gleichermaßen, dass sie nicht nur spektakuläre Feuerwerke zünden kann, sondern auch große Gemälde zu malen versteht: Ihre technische Brillanz ist nie virtuoser Selbstzweck, sondern verbindet sich mit einem natürlichen, dabei farbenreichen Klang und mit der Fähigkeit zur Gestaltung langer, durchdachter Bogen. Gebürtig aus dem russischen Novorossijsk, lebt Anna Vinnitskaya heute in Hamburg, wo sie als Professorin an der Hochschule für Musik und Theater tätig ist. Ihre CD-Einspielungen wurden mit zahlreichen Preisen wie dem Diapason d’Or und der Gramophone Editor’s Choice ausgezeichnet. Anna Vinnitskaya arbeitet mit führenden Dirigent*innen wie z. B. Andris Nelsons, Kirill Petrenko, Krzysztof Urbański und Mirga  Gražinytė-Tyla und Orchestern wie  der Sächsischen Staatskapelle Dresden,  dem Danish National Symphony  Orchestra sowie den deutschen  Rundfunk-Sinfonieorchestern und  dem City of Birmingham Symphony  Orchestra zusammen. In dieser Spielzeit wird sie erstmals mit den  Berliner Philharmonikern und den  Bamberger Symphonikern zu hören  sein. Von der Dresdner Philharmonie wurde sie als Artist in Residence verpflichtet.