Al gran sole carico d’amore (Unter der großen Sonne von Liebe beladen) Szenische Handlung in zwei Teilen von Luigi Nono. Libretto von Luigi Nono und Juri Petrowitsch Ljubimow

BESETZUNG
Musikalische Leitung: Hermann Bäumer
Inszenierung: Elisabeth Stöppler
Bühne: Hermann Feuchter
Kostüme: Nicole von Grävenitz
Licht: Ulrich Schneider
Klangregie: Michael Acker, Joachim Haas
Dramaturgie: Ina Karr
Choreinstudierung Coro Grande: Sebastian Hernandez-Laverny
Choreinstudierung Coro Piccolo: Léo Warynski

Soprano 1: Marie-Christine Haase
Soprano 2: Alexandra Samouilidou
Soprano 3: Maren Schwier
Soprano 4: Linda Sommerhage
Alto / Madre: Sanja Anastasia
Tenore 1: Alexander Spemann
Tenore 2: Johannes Mayer
Baritono / Pavel: Brett Carter
Basso 1: Peter Felix Bauer
Basso 2: Florian Küppers

Coro Grande: Chor des Staatstheater Mainz
Coro Piccolo: Les Métaboles, Paris
SWR Experimentalstudio Freiburg
Philharmonisches Staatsorchester Mainz

Als Luigi Nono von der Mailänder Scala 1972 den Auftrag erhielt, eine Oper zu schreiben, wählte er keine lineare Erzählung, sondern Szenen gescheiterter Revolutionen und Aufstände des 19. und 20. Jahrhunderts – von der Pariser Kommune, der Russischen Revolution über den Streik Turiner Fiat-Arbeiter*innen bis zu den Ereignissen in Kuba und Vietnam. Dabei setzte er historische Frauenfiguren ins Zentrum wie Louise Michel, die sich 1870 aktiv dem französischen Widerstand anschloss, oder die deutsch-argentinische „Tania“ Tamara Bunke, die dem Kreis der Guerilla-Kämpfer um Che Guevara angehörte. Neben Texten dieser aktiven Revolutionärinnen verwendete Nono für seine Libretto-Collage Schriften u. a. von Marx, Brecht, Castro und Arthur Rimbaud, dessen Gedicht über den Kampf der Frauen im Paris der 1870er Jahre titelgebend war. Als politisch denkender Künstler, der 1924 in Venedig geboren wurde und der von der „resistenza“ gegen den Faschismus geprägt war, wurde Nono mit großer Distanz betrachtet – was in der Nachkriegszeit sogar zu einem Boykott deutscher Rundfunkanstalten gegen seine Werke geführt hat. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Komponisten sah er seine Aufgabe darin, eine Musik zu schreiben, die sich „bewusst dem historischen Prozess“ stellt.