9. Sinfoniekonzert 3. Mainzer Komponistenportrait: Brett Dean

Felix Mendelssohn Bartholdy
Ouvertüre
Meeresstille und glückliche Fahrt op. 27 MWV P 5
Brett Dean
Konzert für Viola und Orchester
Brett Dean
Carlo
Felix Mendelssohn Bartholdy
Sinfonie Nr. 4 A-Dur MWV N 16 op. 90
(„Italienische“)

 

Brett Dean • Viola
Hermann Bäumer • Dirigent

Das dritte Mainzer Komponistenportrait ist dem Schaffen des australischen Komponisten Brett Dean gewidmet. Im dazugehörigen Sinfoniekonzert gibt es ein Wiedersehen der besonderen Art: In seiner Zeit als Bratscher der Berliner Philharmoniker war Dean Kollege von Hermann Bäumer, der nicht nur viele seiner Werke als Posaunist mit-uraufgeführt, sondern in der Zwischenzeit auch dirigiert hat. Beide freuen sich, wieder einmal gemeinsam auf der Bühne zu stehen – Brett Dean ist der Solist in seinem eigenen Bratschenkonzert. Zum Auftakt des Konzertes erklingt zuvor Felix Mendelssohn Bartholdys Konzert-Ouvertüre Meeresstille und glückliche Fahrt, die durch Goethes gleichnamige Gedichte inspiriert wurde.   

Inspirationen aus Italien prägen die zweite Konzerthälfte: In der Komposition Carlo für Streicher, Sampler und Tonband von Brett Dean hört man zunächst den Eingangschoral von Moro lasso vom Band, eines der ausdrucksvollsten und harmonisch kühnsten Madrigale des komponierenden italienischen Renaissancefürsten Gesualdo. Daraus entfaltet sich eine vorher aufgenommene Stimmencollage, nach und nach beteiligt sich das Orchester, indem es zunächst die aufgenommenen Zitate durch andere Gesualdo-Motive ersetzt und uns schließlich in Klangbereiche führt, die eher nach zwanzigstem Jahrhundert klingen.   

1833 gießt Felix Mendelssohn Bartholdy die Eindrücke einer ausgedehnten Italienreise in eine Sinfonie, der er selbst den Beinamen „Italienische“ gibt. Ein spritziger, südländisch-heiterer Charakter durchzieht dieses romantische Meisterwerk und gipfelt in einem lebhaften Saltarello – einem italienischen Springtanz, dessen Motive Mendelssohn originalen neapolitanischen Volksweisen entnommen hat.            

Wir bedanken uns bei

Brett Dean · Komponist und Bratschist

Der australische Komponist und Bratschist Brett Dean siedelte 1984  nach seinem Studium in Brisbane nach Deutschland über, wo er 15 Jahre lang den Berliner Philharmonikern als ständiges Mitglied angehörte. Im Jahr 2000 kehrte Dean nach Australien zurück, um sich stärker dem Komponieren zu widmen. Heute gehört er zu den international  meistaufgeführten Komponisten seiner Generation. Typisch für Deans Musikstil sind dynamisierte Klangflächen, die aus einem Gewebe differenziert rhythmisierter Einzelstimmen entstehen; oft werden Extreme gestaltet, vom grellen Ausbruch bis zur  Unhörbarkeit. Charakteristisch ist der Einsatz moderner, mitunter auch geräuschhafter Spieltechniken bei – in der Regel – klassischem Instrumentarium, allerdings oft mit groß besetztem und durch Alltagsgegenstände angereichertem Schlagwerk. Viele Werke sind durch außermusikalische Ideen angeregt (Literatur, Gemälde, Zeitgeschehen), oft transportieren sie eine gesellschaftlich-politische Botschaft; so ist z.B. Umweltzerstörung das Thema in Water Music und der 2012 im Mainzer Sonderkonzert „Auf Wiederhören!?...“  aufgeführten Pastoral Symphony. Brett Dean begann seine Tätigkeit als Komponist 1988; zu seinen ersten  Projekten zählten Radio- und Filmmusiken sowie Improvisationsprojekte. Durch Werke wie Ariel’s Music, ein vom International Rostrum of Composers der UNESCO ausgezeichnetes Klarinettenkonzert, das Klavierquintett Voices of Angels (1996) und Twelve Angry Men (1996) für die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker errang er internationale Anerkennung als Komponist. Für Winter Songs, deren Uraufführung Hermann Bäumer dirigierte, wurde er im Jahr 2001 mit dem Paul Lowin Song Cycle Prize ausgezeichnet; 2002/03 wurde er Artist in Residence beim Melbourne Symphony Orchestra und Composer in Residence beim Cheltenham Festival. Deans bislang meistgespieltes Werk ist Carlo für Streicher, Sampler und Tonband: Das von der Musik Carlo Gesualdos inspirierte Stück erklingt auch beim Mainzer Komponistenportrait. Daneben wird Brett Dean im 9. Sinfoniekonzert mit dem Staatsorchester Mainz sein Bratschenkonzert, das gemeinsam vom BBC Symphony Orchestra, dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, dem Sydney Symphony Orchestra und Symphony Australia in Auftrag gegeben wurde, interpretieren. 2009 wurde sein, von Frank Peter Zimmermann aus der Taufe gehobenes, Violinkonzert The Lost Art of  Letter Writing mit dem hochkarätigen Grawemeyer Award for Musical Composition ausgezeichnet. 2010 fand die Uraufführung von Deans erster Oper Bliss (Libretto von Amanda Holden nach dem Roman von Peter Carey) statt; der Premiere in Sydney schlossen sich Aufführungen in Melbourne und  Edinburgh sowie die deutsche Erstaufführung in einer neuen Inszenierung in Hamburg an. Die sinfonische Vorstudie zu diesem  Bühnenwerk, Moments of Bliss, wurde bei den Australian Classical  Music Awards 2005 als beste Komposition prämiert. Im Sommer  2017 erlebt seine neue Hamlet-Oper ihre Premiere beim renommierten  Glyndebourne Festival. Deans Werke liegen zu großen Teilen auf CD bei Labels wie ABC Classics und BIS vor. Seinem Schaffen waren Schwerpunkte bei zahlreichen internationalen Musikfestivals gewidmet. Brett Dean ist weltweit als Solist, Kammermusiker und Dirigent tätig und hat zahlreiche solistische und kammermusikalische Werke namhafter Gegenwartskomponisten uraufgeführt. Seine Kompositionen erscheinen exklusiv im Verlag Boosey & Hawkes / Bote & Bock. 

Foto: Pavel Kopczynski