4. Sinfoniekonzert

Franz Schmidt

Concertante Variationen über ein Thema von Beethoven für Klavier und Orchester

 

Anton Bruckner

- Ouvertüre g-Moll WAB 98

- Das hohe Lied WAB 74 für Tenor, Männerchor und Orchester

- Marsch WAB 96

- Abendzauber WAB 57 für Bariton, Männerchor, Fernstimmen und 4 Hörner

- 3 Orchesterstücke WAB 97

- Adagio aus dem Streichquintett WAB 112 für Streichorchester

Klavier • Ragna Schirmer
Gesang • Steven Ebel, Michael Dahmen
Dirigent • Hermann Bäumer
Chor des Staatstheater Mainz

Im 4. Sinfoniekonzert beleuchten Generalmusikdirektor Hermann Bäumer und das Philharmonische Staatsorchester Mainz den Jubilar des Jahres 2020 aus einer anderen Perspektive: Zusammen mit der Pianistin Ragna Schirmer erweisen sie Beethoven mit den Concertanten Variationen über ein Thema von Beethoven für Klavier und Orchester des Österreichers Franz Schmidt ihre Reverenz. Dieser Hommage liegt das Scherzo aus Beethovens populärer Frühlingssonate für Klavier und Violine zugrunde, das Schmidt nach allen Regeln der Kunst verarbeitet. Vertraute Variationstechniken begegnen spätromantischen Ausbrüchen und impressionistischen Anklängen, ein lebhafter Bolero kontrastiert mit althergebrachten Formen wie Choral und Fuge. Lange Zeit wurde Franz Schmidt als Bruckner-Epigone verkannt, seine ganz eigene Tonsprache drückt jedoch eine weiterentwickelte Moderne aus, welche die avantgardistischen Tendenzen der Zeit zwar nicht nachdrücklich verfolgt, aber auch nicht ignoriert.

Anton Bruckner ebnete zuvor den Weg für die Musik des 20. Jahrhunderts. Um den aktuellen Hygiene- und Abstandsregelungen im Orchesterbetrieb zu entsprechen, haben wir seine ursprünglich für diesen Abend geplante 9. Sinfonie durch eine spannende Alternative ersetzt: Im Schaffen Bruckners gibt es einige, eher selten gehörte Kleinode. Die Ouvertüre g-Moll, der Marsch und die 3 Orchesterstücke gehören zu seinen ersten Werken für Sinfonieorchester und illustrieren eindrücklich, wie sehr der Komponist von Orgelklang und Orgelspiel geprägt war. Neben zwei pastoralen Orchesterliedern mit Solisten und Chor, Das hohe Lied und Abendzauber, erklingt zum Abschluss das verklärte und zarte Adagio aus dem Streichquintett WAB 112 für Streichorchester.

© Felix Broede

Hermann Bäumer · Chefdirigent und Generalmusikdirektor

 

Hermann Bäumer ist seit der Spielzeit 2011/2012 Chefdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Mainz sowie Generalmusikdirektor des dortigen Staatstheaters. Seine durchdachten und einfallsreichen Programme sowie die Auseinandersetzung mit außergewöhnlichem musikdramatischem Repertoire (u.a. deutsche Erstaufführung von Dusapins Perela, Langgaards Antichrist, Saariahos Adriana Mater und Aphergis` Avis de Tempete) bescheren ihm großen Zuspruch von Publikum und Fachpresse.

Als einstiger Berliner Philharmoniker weiß er um die Raffinessen guter Orchesterarbeit und wird für seine bescheidene und der Musik verpflichteten Art von Orchestern auf der ganzen Welt geschätzt.

Er dirigierte Orchester wie die Sächsische Staatskapelle Dresden, das Orchester der Komischen Oper Berlin, die Bamberger Symphoniker, das Bayerische Staatsorchester München, das hr-Sinfonieorchester, das Ensemble Resonanz und das Ensemble Modern, das Orchester der Norwegischen Staatsoper Oslo sowie das New Japan Philharmonic Orchestra und das Tokyo Symphony Orchestra. Seit der Saison 2016/17 ist er zudem „Conductor in residence“ bei den Hofer Symphonikern.

Darüber hinaus ist Hermann Bäumer landesweit für seine Jugendarbeit geschätzt, die sich in der regelmäßigen Zusammenarbeit mit zahlreichen Jugendorchestern wie dem Bundesjugendorchester (BJO) und dem Landesjugendorchester (LJO) Rheinland-Pfalz äußert.

Von 2004 bis 2011 war er Generalmusikdirektor des Osnabrücker Sinfonieorchesters und bekam für die Einspielung der 1. und 2. Sinfonie des Komponisten Josef Bohuslav Foerster einen ECHO Klassik. Mit dem Iceland Symphony Orchestra hat er die beiden Oratorien Edda I und II des isländischen Komponisten Jon Leifs uraufgeführt und auf CD eingespielt.

Mit dem Label cpo verbindet ihn eine langjährige Partnerschaft und so entstanden Aufnahmen von Bruch, R. Strauss, Gernsheim, Gounod, Röntgen u.a. mit der NDR Radiophilharmonie Hannover, der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken/Kaiserslautern, dem Philharmonischen Staatsorchester Mainz, dem Osnabrücker Sinfonieorchester und dem Kristiansand Symphony Orchestra.

In Mainz dirigiert Hermann Bäumer nicht nur beeindruckende Sinfoniekonzerte –  2018/2019 für das „Beste Konzertprogramm der Saison“ durch den Deutschen Musikverleger-Verband ausgezeichnet –,  sondern zeigt sich natürlich auch als versierter Operndirigent. Zu den Höhepunkten der vergangenen Spielzeiten zählen unter anderem Ligetis Le Grand Macabre, Wagners Die Meistersinger von Nürnberg, Poulencs Dialogues des Carmélites, Mathis der Maler von Paul Hindemith und Boris Godunow von Modest Mussorgskij.

Im Frühjahr 2020, während der Corona-Pandemie, entstand am Staatstheater Mainz in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Jan-Christoph Gockel und in Kooperation mit dem ZDF/3sat der Film Beethoven - Ein Geisterspiel.   

© Maike Helbig

Ragna Schirmer · Pianistin

Mit ihren unverwechselbaren Interpretationen genießt die Pianistin Ragna Schirmer international höchste Anerkennung über die deutschen Grenzen hinaus. Den hochangesehenen Leipziger Bachwettbewerb gewann sie – einzigartig in dessen Geschichte – gleich zweimal. Zahlreiche weitere Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben, begeisterte Rezensionen sowie zwei ECHO Klassik sind Zeugnis einer außergewöhnlichen Karriere.

Ragna Schirmer konzertiert in den wichtigsten Sälen in Europa, China und Neuseeland sowie bei Festivals wie dem Heidelberger Frühling (artist in residence 2010), dem Beethovenfest Bonn, dem MDR-Musiksommer, den Haydn-Festspielen Eisenstadt und den Salzburger Festspielen. Sie musizierte u. a. mit Zubin Mehta, Sir Roger Norrington, Kurt Masur, Sir Neville Marriner, Herbert Blomstedt und trat mit Klangkörpern wie den Münchner Philharmonikern, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, Orchestre National de France, Gewandhausorchester Leipzig und der Academy of St. Martin in the Fields auf.